Joe Nimble nimbleToes Trail Addict im Test

Der nimbleToes Trail addict in mit blauem Meshgewebe als Obermaterial verziert mit roten Streifen - unser Testschuh

Mit dem nimbleToes Trail Addict* bringt der deutsche Hersteller Joe Nimble die nächste Genration der nimbleToes Trail-Reihe auf den Markt. Die Funktionalität der Füße zu unterstützen (Stichwort Funktionsschuhe) ist dabei weiterhin das oberste Gebot. Allerdings setzt Joe Nimble beim Trail Addict im Vergleich zu seinem Vorgänger (nimbleToes Trail) mehr auf Unterstützung durch den Schuh. Herausgekommen ist sozusagen ein Kompromiss zwischen minimalistischem Barfußlaufschuh und klassischem Trailrunner.

Was sich genau beim nimbleToes Trail geändert hat und wie das Update sich in der Praxis anfühlt, das erfährst du in diesem nimbleToes Trail Test & Review.

Barfußschuh oder Laufschuh?

Mit dem Konzept des nimbleToes Trail Addict* bedient Joe Nimble aus meiner Sicht eine Nische. Vielen Läuferinnen und Läufern sind Barfußlaufschuhe zu minimalistisch, sie wünschen sich vor allem bei intensiven und langen Läufen abseits der Straße mehr Unterstützung durch ihr Schuhwerk.

nimbleToes Trail im Überblick

Klassische Trailrunner sind ihnen hingegen zu „aufgemotzt“. Zu viel Dämpfung oft kombiniert mit übermäßiger Sprengung und Pronationsstützen nehmen dem Fuß zu viel Arbeit ab.

Für solche Läuferinnen und Läufer ist der nimbleToes Trail Addict der ideale Schuh. Er pickt sich aus Barfußlaufschuhen und klassischen Laufschuhen das raus, was auch aus wissenschaftlicher Sicht Füßen und Körper guttut.

Kurgefasst lässt sich sagen: Der nimbleToes Trail Addict ist ein Neutralschuh zum Trailrunning mit Elementen, die dem Fuß ein natürliches Laufverhalten ermöglichen.

Diese Elemente eines Barfußlaufschuhs stecken im Addict Trail:

  • Breite Zehenbox: Wie kein anderer Hersteller setzt Joe Nimble auf das Thema Zehenfreiheit, damit die Zehen (insbesondere der große Zeh) die Lauffunktion ideal unterstützen kann.
  • Null Sprengung: Im nimbleToes Addict gibt es zwischen Vorfuß und Ferse keinen Höhenunterschied. Die Laufbewegung ist dadurch natürlicher.
  • Keine Zehenfeder: Der Addict ist im Zehenbereich relativ flach, die Zehen werden im Gegensatz zu klassischen Laufschuhen nicht nach oben gebogen und dadurch in ihrer Funktionalität beeinträchtig.

Dämpfung mit Augenmaß

Im Gegensatz zu Barfußlaufschuhen setzt Joe Nimble beim Trail Addict auf Dämpfung und eine stabile Sohle. Oberste Prämisse scheint dabei zu sein, mit Augenmaß vorzugehen. Die Füße sollen bei aller Unterstützung durch den Schuh nicht in Watte gepackt werden und ihre natürliche Funktionalität beibehalten.

Beim Thema Dämpfung gilt eher das Motto: so viel wie möglich, so wenig wie nötig. Die EVA-Zwischensohle ist 10 Millimeter dick was im Vergleich zu klassischen Laufschuhen wenig ist. Dort findet man teils Werte bis zu 30 Millimeter.

Für Flexibilität beim Thema Dämpfung sorgt ein 6 Millimeter Fußbett aus EVA-Schaum. Wer es komfortabler haben will, lässt das Fußbett drin. Wer Wurzeln, Steine und Co intensiver spüren möchte, nimmt sie raus.

Sohle bietet Stabilität im Vorfußbereich

Die Sohle soll dem Läufer die nötige Stabilität beim Abrollen geben, insbesondere im Ballenbereich, der beim Abdruck besonders gefordert ist. Deshalb ist die Sohle bei Joe Nimble etwas steifer und breiter als bei Barfußlaufschuhen – aber für meinen Geschmack immer noch deutlich flexibler als bei klassischen Neutralschuhen.

Für Trittfestigkeit sorgt die Sohle, die in Kooperation mit dem Reifenhersteller Michelin entwickelt wurde. Die Gummimischung gepaart mit einem 6 Millimeter tiefen Profil sorgt für eine stabile Traktion auch auf tieferen Böden.

Laufgefühl im Test: Wie läuft es sich im Addict Trail?

Bereits beim ersten Reinschlüpfen ist zu spüren, dass sich Joe Nimble auch beim Trail Addict* in Sachen Halt und Komfort treu geblieben ist: Die Zehen haben richtig viel Platz, gleichzeitig bietet der Schuh dank des Schnürsystems einen richtig guten Halt um den Mittelfuß herum.

Dieser stabile Halt ist auch beim Laufen querfeldein zu spüren. Egal ob bergauf oder bergab, über Wurzeln oder Stein, über tiefen oder festen Untergrund: Der Trail Addict sitzt ultrafest am Fuß und die Zehen können das Aufsetzen und Abrollen richtig gut mitgestalten.

Der stabile Halt wird flankiert von dem weichen Tragekomfort im Schuh. So sorgen um den Knöchel herum weiche Polster für einen angenehmen Sitz. Beim Test zeigen sich auch keine Stellen, die unangenehm am Fuß reiben.

Dämpfung im Test – so oder so eine Umstellung

Sehr gespannt war ich beim Trail Addict-Test darauf, wie sich mein Laufverhalten mit dem Trailrunner verändern würde. Je nachdem aus welcher Ecke man kommt, werden die meisten mit dem Trail Addict eine Umstellungsphase durchmachen.

Läufer, die bislang in klassischen Trailrunningschuhen unterwegs waren, werden wahrscheinlich das Gefühl haben, von Wolken auf festen Boden umzusteigen. Denn die meisten Trailrunningschuhe dämpfen so kompakt, dass man vom Untergrund nur wenig spürt. Das wird mit Trail Addict anders sein. Hier macht die Dämpfungsschicht etwa 16 Millimeter aus, was den Kontakt zum Boden spürbar intensiviert.

Vom Barfußlaufschuh zum Trail Addict

Für mich als jahrelangen Barfußschuh-Läufer fühlte sich das Tragen des Trail Addict auf den ersten Meter genau umgekehrt an. Ich hatte das Gefühl, vom harten Boden auf Wolken umzusteigen.

Vor allem das weiche Fußbett mit EVA-Schaum-Füllung machte jedes Auftreten und Abrollen zu einer luftig-weichen Angelegenheit – für meinen Geschmack etwas zu viel Pufferung. Nach zwei oder drei Testläufen habe ich das EVA-Fußbett herausgenommen. Für mich sind die 10 Millimeter Sohlendicke ein guter Kompromiss zwischen Dämpfung und Bodenkontakt – vor allem für längere Läufe. Zumal ich auch das Gefühl hatte, als ob das Fußbett ein Teil meiner Abstoßenergie schlucken würde. Das Gefühl habe ich beim Laufen ohne Fußbett im Trail Addict nicht.

Trotzdem gefällt mir die Idee mit dem EVA-Fußbett sehr gut. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er mithilfe des Fußbetts mehr oder weniger Dämpfung haben möchte.

Die Sohle – breiter Tritt und Stabilität

Auch die Sohle des Trail Addict ist für mich als Minimalschuh-Läufer eine Umstellung. Sie ist breiter und steifer als bei Barfußlaufschuhen. Dadurch bekommen meine Füße beim Laufen mehr Stabilität (vor allem im Ballenbereich) und Führung. Auf langen Läufen empfand ich das als angenehm. Bei kürzeren Strecken ist das ein Support, den ich nicht unbedingt brauche.

Keine feuchten Füße

Was beim Trail Addict auch sehr gut funktioniert ist die Belüftung. Das Maß an Atmungsaktivität ist auch an warmen Tagen mehr als ausreichend. Wasserdicht ist mein Testschuh allerdings nicht. Die Füße wurden also bei Regenwetter nass. Mittlerweile gibt es den Trail Addict aber auch als Trail Addict Waterproof* – also mit einer wasserdichten Membran.

Trittfestigkeit sehr gut

Für Trailrunner ein sehr wichtiges Thema: Wie griffig zeigt sich der Laufschuh in schwierigem Gelände? Joe Nimble setzt beim Trail Addict auf eine Sohle, die zusammen mit dem Reifenherstelle Michelin entwickelt wurde (Soles by Michelin). Die Traktionsfähigkeit der Sohle gepaart mit einem sechs Millimeter Stollenprofil zeigen sich dabei als sehr gelungene Kombination. Egal ob nasse Wiese, Schlamm, steile Anstiege oder Bergablaufen durch tieferes Geläuf: ich hatte mit dem Trail Addict-Test stets einen festen Tritt.

Das Thema Sprengung

Wenn du bislang mit herkömmlichen Trailrunningschuhen gelaufen bist, dann wirst du wahrscheinlich nicht nur die breite Zehenbox als ungewohnt empfinden. Auch das Nullabsatz Prinzip wird vielleicht ungewohnt sein, da fast alle klassischen Laufschuhe im Fersenbereich erhöht sind (sog. Sprengung). Für dem Einstieg hilft hier das herausnehmbare Fußbett, das im Fersenbereich wenige Millimeter höher ist als am Vorfußbereich.

Material im Test: Wie belastbar ist der Trail Addict

Zum Zeitpunkt des Reviews habe ich den Trail Addict* etwa neun Monate getragen. Der Materialverschleiß ist für diesen Zeitrahmen absolut im Soll. Die Sohle ist lediglich im Ballenbereich etwas abgelaufen, was aber bei meinem Pensum völlig normal ist.

Das Obermaterial ist absolut in Ordnung und zeigt nur an zwei Stellen Macken, die in den Bereich „normaler Verschleiß“ fallen. Auch die Schnellschnürung hat die Belastungen bis her ohne Probleme ausgehalten.

Keine Ermüdung des Materials

Sehr gut schneidet auch das Dämpfungsmaterial ab. Bei Eva-Dämpfungen besteht immer die Gefahr, dass das Material während langer Läufe beziehungsweise nach einer gewissen Zeit ermüdet. Es drückt zusammen und verändert die Fußstellung. Bislang hält sich die Dämpfungsschicht wunderbar. Auch bei längeren Läufen hatte ich nicht das Gefühl, dass das Material schlapp macht und die Füße einsinken.

Eignung: Wofür eignet sich der Trail Addict noch?

Bei meinem Test hat sich der nimbleToes Trail Addict* als hervorragender Trailrunner bewiesen, für alle, die etwas mehr Support beim Laufen über Stock und Stein wünschen. Ob der Schuh sich auch für andere Untergründe und Aktivitäten eignet, habe ich auch getestet.

Der Trail Addict als Laufschuh für die Straße

Wenn du einen reinen Straßenlaufschuh suchst, dann ist für dich der nimbleToes Addict* der geeignetere Schuh. Bei diesem Laufschuh ist die Sohle auf die Anforderungen beim Laufen auf Asphalt besser abgestimmt. Das Negativprofil ist deutlich ausgeprägter und gibt gerade auf feuchten Straßen einen besseren Grip als das Stollenprofil des Trail Addict.

Wenn du aber ab und zu nur auf der Straße läufst und ansonsten Offroad unterwegs bist, dann ist der Trail Addict ein guter Laufschuh.

Der Trail Addict als Wanderschuh.

Dank des sechs Millimeter Stollenprofils kannst du mit dem Trail Addict auch wunderbar wandern gehen. Als reinen Wanderschuh würde ich dir aber eher zu anderen Modellen raten – dafür ist der Trail Addict für meinen Geschmack nicht wetterfest genug.

Mit einer Mischung aus leicht gedämpfter Sohle und Zehenfreiheit findest du bei Joe Nimble zum Beispiel den WanderToes*. Weitere tolle Empfehlungen findest du in unserem Special Barfuß-Wanderschuhe.

Preis-Leistung

Knapp 190 Euro sind natürlich ein stolzer Preis für einen Laufschuh. Ist der nimbleToes Trail Addict das Wert? In meinen Augen ja! Meine Gründe:

  • Joe Nimble achtet auf Produktionsbedingungen, die gewissen sozialen Standards unterliegen. Die Produktion findet etwa ausschließlich in der EU statt.
  • Die Materialqualität ist sehr gut.
  • Joe Nimble Schuhe sind unserer Erfahrung nach langlebig.
  • Der Schuh ist eine sehr gute Kombination aus den Vorteilen eines Barfußlaufschuhs und eines klassischen Trailrunners, die unseres Wissens bislang einmalig ist.

Mein Fazit zum nimbleToes Trail Addict

Wer einen Trailrunner sucht, der die Vorteile von Barfußlaufschuhen mit einem gewissen Maß an Dämpfung und Stabilität durch den Schuh vereinen möchte, liegt mit dem nimbleToes Trail Addict* genau richtig.

Die breite Zehenbox und das Nullabsatz-Prinzip schaffen die besten Voraussetzungen für ein natürliches Laufverhalten. Gleichzeitig wird der Schuh durch eine ausgewogene Dämpfung und eine stabile Sohle den Ansprüchen der Läufer gerecht, die noch einen gewissen Support durch den Schuh suchen.

Auch die Qualität des Schuhs überzeugt im Test. Nach etwas neun Monaten zeigt der Trail Addict kaum Verschleißerscheinungen und zeigt sich so wie alle Joe Nimble Schuhe als langlebig.

nimbleToes Trail Addict im Test
  • Lauf- & Tragegefühl
  • Qualität & Verarbeitung
  • Preis-Leistung
  • Trittsicherheit
4.6

Fazit

Sehr guter Trailrunner für alle, die einen Kompromiss zwischen klassischen Trailrunningschuhen und minimalistischen Barfußlaufschuhen suchen.

Vorteile

Nachteile

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