Lieberman und die Bedeutung des Dauerlaufs (Nature 2004)

Daniel Lieberman, Professor für Biologie an der Harvard-Universität in Boston hat sich 2004 in einer Veröffentlichung im Nature-Magazin „Endurance running and the evolution of Homo“ mit den Auswirkungen des Ausdauerlaufs auf die menschliche Entwicklung befasst.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dennis M. Bramble von der Universität von Utah in Salt Lake City kommt er zu dem Schluss: Der Mensch war und ist ein schlechter Sprinter, dafür aber ein umso besserer Dauerläufer.

Lieberman: Der Mensch ist seit jeher ein schlechter Sprinter

Glaubt man der Nature-Veröffentlichung von Daniel Lieberman aus dem Jahre 2004, so war der Mensch seit jeher eher ein schlechter Sprinter. Vor seinen natürlichen Feinden, den Raubtieren, konnte er nicht davonlaufen. Zu überlegen waren die Vierbeiner auf den Kurzstrecken. Anders sah es auf der Langstrecke aus: Da verwundert es nicht, dass die ersten Jogger bereits vor etwa zwei Millionen Jahren ihre Runden drehten.

Nur ging es damals weniger um Konditionstraining oder Fitness, sondern viemehr ums nackte Überleben. Lieberman erklärt, dass es die Fähigkeit lange und ausdauernd zu laufen war, die es dem Menschen ermöglicht hat, Beutetiere so lange zu verfolgen, bis diese schlicht „k.o.“ waren und so zu leichter Beute wurden.

Daniel Lieberman untersucht die Evolution des Dauerlaufs

Folgenden Fragen ist der Harvard-Biologe im Rahmen seiner Veröffentlichung nachgegangen: Welche Funktionen machen den Ausdauerlauf erst möglich? Wann tauchten diese Fähigkeiten und Funktionen erstmals in der Evolutionsgeschichte auf? Und wie könnten solche Entwicklungen in Zusammenhang mit den Anpassungen für das aufrechte Gehen gebracht werden?

Belege für die Thesen von Lieberman

Daniel Lieberman und Dennis Bramble haben die Antworten auf diese Fragen insbesondere durch die Untersuchung von Fossilien gefunden. Die Forscher fanden heraus, welche Merkmale während der Evolution das Laufen ermöglicht hatten: Größere Gelenkoberflächen dämpften die höhere Belastung die durch das Laufen auf Gelenke und Knochen wirkte. Längere Sehnen halfen beim Energiesparen.

Wie Daniel Lieberman in seiner Nature-Publikation weiter schreibt, tauchte eine verlängerte Achillessehne erstmals vor weniger als drei Millionen Jahren auf. Längere Beine hatte die menschliche Spezies erst  mit dem Auftauchen des Homo erectus vor etwa 1,8 Millionen Jahren.

Daniel Lieberman zieht ein klares Fazit

Die Forscher stellen klar, dass der Ausdauerlauf maßgeblich für die Entwicklung des heutigen Menschen ist. Und nicht nur, wie von vielen anderen Evolutonsbiologen vermutet, ein Nebenprodukt des aufrechten Gangs ist.

Deren Annahme beruht darauf, dass der Mensch eben ein eher schlechter Sprinter ist. Erst der weitgehende Verlust der Körperbehaarung, so die beiden Forscher weiter, habe eine bessere Regulierung der Körpertemperatur beim Laufen erlaubt.

Um den Oberkörper zu stabilisieren, entwickelte der Mensch zudem stärkere Muskeln. Erst dadurch verfügte er über die Kraft, weite Strecken zurückzulegen und Beutetiere zu jagen. Und erst diese Beutetiere ermöglichten es den damaligen Menschen, eine Mischung aus Fetten und Proteinen zu sich nehmen, die letztendlich die stetige Weiterentwicklung des Gehirns ermöglicht hat.

Liebermans Fazit: Erst ausdauerndes Laufen brachte der Gattung Homo den evolutionären Vorteil, der zur Entwicklung des heutigen Menschen maßgeblich beigetragen hat.

 

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